Dichter Walter Kainz

Dichter Walter Kainz

Dichter Walter Kainz

Nicht nur im Hochdeutschen, auch im Dialekt zeigt Walter Kainz seine Liebe zum Weinviertel. In allen seinen Gedichten spricht die Liebe zur Natur, doch auch Seelenzustände konnte Walter Kainz in einfachen, einprägsamen Versen zum Ausdruck bringen.

1918 wurde der Dichter in der Pernersdorfer Mühle geboren, und ist trotz beruflicher Verpflichtungen außerhalb seiner Heimat dieer Verbunden geblieben. Die Begeisterung für das Wandern, für die Natur, für das einfache eben kommt in seinen Gedichten immer wieder zum Ausdruck. Zwischen 1951 und 1987 erschienen fünf Gedichtbände, davon auch zwei in Pulkautaler Mundart.

Als Dichter verehrt, als Jurist geachtet, als Gatte und Vater geliebt, ist dieser Pernersdorfer 1996 im Alter von 78 Jahren gestorben.

Nachstehend ein Gedicht aus dem Band "Erlebtes Weinland".

Weinlese

Der Winzer blickt zum Himmel voller Hoffen. Das Wetter hält, hinaus der Traktor eilt. Die Helfer aus der Stadt sind eingetroffen und werden auf die Reihen rasch verteilt.

Mit Feiteln schneiden sie und auch mit Scheren die Trauben ab in stillem Wettbewerb. Sie lassen von den Wespen sich nicht stören und kosten selbst die Beeren, süß und herb.

Mit grober Schürze und geflickten Rock, die Ernte scheint den Gästen anfangs leicht, ihr Kübel wandert rasch von Stock zu Stock. Der Buttenträger stapft im Lehm und keucht.

Ein Kohlweißling taucht auf im Feldwegrasen, Wegwartenlichter fliegt er prüfend an. Im leeren Kornfeld streuen junge Hasen. Ganz nah beim Nachbarn gackert ein Fasan.

Der Tag verstreicht und still wird, wer gescherzt. Noch immer gleißen Trauben an den Drähten. Die Hände kleben und der Rücken schmerz. Vom Müden wird die Nacht herbeigebeten.

Die letzten Beeren sind vom Strauch gerissen, im Bottich saugen sich die Bienen satt. Zum Presshaus geht`s und wie ein Leckerbissen schmeckt Hausmannskost den Helfern aus der Stadt.