Katastralgemeinde Ragelsdorf

Außenansicht der GrabkapelleRagelsdorf ist die kleinste der zu Pernersdorf gehörenden Gemeinden, besteht aus rund 40 Häusern, einem Gutshof und der Grabkapelle der Ehrenfels.

Durch Gräberfunde weiß man, daß der Ort bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war. Im Mittelalter, der Ort hieß damals Raekleistorf, saß hier ein kleinadeliges Geschlecht. Beim Hussiteneinfall (1425) wurde der Ort fast gänzlich zerstört, nur der Wehrturm, in den sich die Bevölkerung geflüchtet hatte, blieb intakt.

Lange Jahre bestand der Ort aus nur wenigen Häusern und dem Meierhof. Über die Herrschaftsfamilien der Eyzinger und der Strozzi und nach einer um 1770 einsetzenden systematischen Besiedlung aus Südmähren gelangt der Besitz 1818 an Johann Michael Ritter von Ehrenfels, dessen Initialen noch heute über dem Eingang des Schlosses, dem früheren Meierhof – auch Ragelhof oder Rackelhof genannt, sichtbar sind. Das Gut wurde 1859 dem Stift Göttweig verkauft, der Ort jedoch wird 1850 eine selbständige Gemeinde, obwohl es zu dieser Zeit keine Bauern gab, sondern nur Grundpächter.

Erst 1932 bietet das Stift den 37 Pächtern den Grund zum Kauf an, diese Gelegenheit wird sofort ergriffen, und die Kreditrückzahlungen ersetzen den Pachtschilling. Doch 1934 gibt es, bedingt durch die große Trockenheit, eine Mißernte bei den Gurken, die das Rückgrat der Dorfwirtschaft bilden. Daneben wurde auch ausgiebige Schafzucht betrieben. Die allgemeine Wirtschaftskrise und der Verfall des Milchpreises um mehr als die Hälfte bringt Armut ins Dorf. Erst nach dem zweiten Weltkrieg kommt der Aufschwung.

Heute ist Ragelsdorf ein ruhiges, idyllisches Dörfchen, in dem städtische Familien ihre Sommerresidenz haben. Das ehemalige Schloß, das seit 1887 von der Gemeinde gepachtet und 1932 gekauft wurde, diente bis 1965 als Schule. Heute ist es in Privatbesitz. Interessant ist, daß die Gruftkapelle der Ehrenfels, die 1859 im neugotischen Stil fertig wurde, im selben Jahr zusammen mit dem übrigen Gutsbesitz an das Stift Göttweig verkauft wurde. Das Stift überließ den Ragelsdorfern das Gebäude als Kapelle. Allerdings ist die Bedingung, daß Nachkommen der Familie Ehrenfels dort begraben werden dürfen, bis heute aufrecht. Die Grabkapelle ist aber jedermann zugänglich.

Nur zirka einen Kilometer südwestlich von Ragelsdorf gab es noch bis ins Mittelalter die Ortschaft Heufeld, die vermutlich in den Pestjahren 1349-1351 entvölkert wurde. Probegrabungen bestätigten eine für die damalige Zeit größere Siedlung. Bis ins letzte Jahrhundert erinnerte im sogenannten „Bründlfeld“ noch eine Kapelle „Maria Heid auf dem Felde“ an den abgekommenen Ort, heute steht dort nur mehr ein Wegkreuz.